Eintracht Fanclub


Ich habe nie an unserer Chancenlosigkeit gezweifelt. (Richard Golz)

Es war der 26.01.2018, als der EFC zum alljährlichen, allerdings verspäteten, Weihnachtskegeln den Gasthof Lutz besetzte - oder zumindest dessen Kegelbahn. Gemeinsames Ziel dieses Abends war es, einem Mysterium auf den Grund zu gehen: "Ist es möglich, neun auf einmal umzuhaun?". Vom Bowlen ist dieser Strike mit 10 Kegeln bekannt und mancher Businessultra hat vielleicht schon anderweitig Erfahrungen in diese Richtung machen können, auf der Kegelbahn hatte dies jedoch noch keiner erlebt.

Wie es der Zufall wollte, spielte auch die Eintracht an diesem Abend - Heimspiel gegen Stuten. Was für die SGE in dieser Saison nicht die beste Voraussetzung war, ist man doch auswärts eine Macht, daheim aber gerne mal Punktelieferant. Dennoch wurde die Kegelbahn voller Hoffnung umfunktioniert und Tablet samt Brüllwürfel im WLAN wurden erfolgreich während eines ebenfalls laufenden Amateurspiels getestet. Bevor die Spiele beginnen konnten musste allerdings noch ne Stärkung ran, emsig bestellte man bei der "Alten" (nicht zu verwechseln mit der "Jungen"). Von Bratwürsten über 300 Grämmer Rumpsteaks bis zum Sauerbraten war alles dabei, beste Voraussetzungen also für einen gelungenen Abend mit einem parallelen Heimspiel und (einem) Kegelspiel auf hohem Niveau. Und tatsächlich, zwischenzeitlich wusste man so gar nicht wo man hinsehen sollte, so spannend waren beide Partien, auch wenn die Teamaufteilung auf der Bahn nicht von jedem gerecht empfunden wurde ("1 gegen 7!!!").

Nach dem Essen gabs dann erstmal paar Klare, und mit den zwischenzeitlichen Bierchen war der Pegel bei manchen damit schon perfekt einjustiert: gerüchteweise gelang zu diesem Zeitpunkt tatsächlich das Unmögliche, die viel zu kleinen Kegel wurden von der nicht ganz runden Kugel allesamt gelegt. Aufgrund Mangels eines eindeutigen Beweises bleibt dies jedoch für die Nachwelt ungeklärt.

Beim Adlerspiel war eines jedoch schnell geklärt: man ging mit Biss ins Spiel. Vielleicht durch Kovac etwas übermotiviert, riskierte man mehr als einmal schon früh per Karte geschwächt die 1. Halbzeit zu beenden. Allerdings wurde so auch ein Zeichen gesetzt - ein Heimspiel im Waldstadion verlieren wird 2018 nicht mehr so einfach hingenommen! Dem Spiel genau zu folgen war für manche auf den hinteren Plätzen leider sehr schwer, zu sehr ähnelte die grüne Farbe der Gäste dem übrigens erstklassigen Rasen - wenn man nächste Saison großes vorhat muss man halt auf allen Ebenen internationale Zeichen setzen. Zum Ende einer guten 1. Halbzeit war es dann "J Lo Chandler", der sich unter vollem Einsatz seiner Hüften auf der rechten Seite durchsetzte und den aktuellen Stammes-Häuptling bediente - 1 zu 0 für die SGE durch Boateng!!! Wer glaubte, dies würde Sicherheit ins Spiel bringen und man könnte trotz, oder gerade wegen der Führung, für Entlastung sorgen, sah sich jedoch getäuscht. Ideen- und konzeptlos vergingen zumindest die Minuten, kein Konterspiel, keine Übernahme des Spielgeschehens zu sehen, die Frage war weniger ob, sondern wann man damit hochkarätige Chancen erlauben würde, und in der 78. Minute war es dann leider soweit: Elfmeter für die Gäule! Um die Nerven zu schonen versagte just in diesem Moment die Verbindung, so dass alle Hände synchron zu den Handys griffen, welche immer noch 1:0 anzeigten - ein gutes Omen, lag man zeitlich doch sicher hintendran durch die Aussetzer beim Stream. Und dann schrie auch endlich jemand "Verschossen!!" - Hazard hatte das Ding nur an die Latte gesetzt, die Führung bestand. Joker Jovic erlöste die Eintracht-Anhänger dann tatsächlich in der Schlussminute und mit diesem Dreier übernachtet Frankfurt auf Tabellenplatz 2 - oder wie mancher sagen würde: "Platz 1 vom interessanten Teil der Liga"... so kanns weitergehen :)

Das (eine) Kegelspiel erfuhr in dieser Zeit allerdings einen gewissen Durchhänger, und man kam zum gleichen Entschluss wie jedes Jahr: Nächstes Jahr werden dann aber die Regeln angepasst. Erste Angebote zum Abbruch waren schon gemacht, als plötzlich ein lauter Schrei gefolgt von Jubeltiraden den Platz erschütterte, Klaus hatte das Unmögliche möglich gemacht und komplett abgeräumt. Man vermutet, dass der große Kegel-Mentor, der an diesem Abend leider nicht anwesend war, ihm heimlich ein paar Tipps aufs Handy hat zukommen lassen. Und dieses Mal konnte auch der Videostandbild-Beweis für Gewissheit sorgen: das Mysterium war nicht länger ein Gerücht sondern Wirklichkeit.

So endeten Brot & Spiele und man ließ den Abend in Gesprächen ausklingen, auch in diese Richtung geschah viel an diesem Abend, mancher ging sogar so weit und wollte Expertisen zu den aktuell besten Marine- & Jachtüberzügen einbringen. Auch erzieherische Maßnahmen bei falscher Wahl des Sport-Nichtglubb-outfits, sowie die aktuellen Vorlieben des Nachwuchses - von Regalen Freiräumen über bis zum headbangen - wurden ausgetauscht... Die Themen haben sich doch etwas verschoben in den letzten 10 Jahren, was aber gleichsam bedeutet dass der EFC glorreiche Zeiten vor sich hat, vielleicht sogar mit einem Generationenwechsel und die Jungen von damals werden irgendwann mal die Alten sein. Bis dahin kann man aber noch viele Weihnachtsfeiern erleben und gemeinsam Spiele verfolgen, das nächste sicher gebuchte ist das Heimspiel gegen Hertha. Hoffen wir mal dass wir dann schon die Sicherheit haben, dass wir unsere Auswärtsstärke und Kegelkünste auch über die deutschen Grenzen hinaus unter Beweis stellen können.